Meuchelmord an Hrant Dink hinter Nebelgardinen

Seine Leiche liegt immer noch vor der Agos Redaktion!


Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
Kein Jäger erschießen mit Pulver und Blei…

Und hier hört das Lied auch auf! Am 19. Januar 2007!
Der armenische Journalist Hrant Dink wurde vor dem Agos Gebäude von einem 17-Jährigen erschossen. Er wurde lange Zeit zur Zielscheibe von ultranationalistischen Kreisen erklärt.
„Sie versuchen mich zu vereinsamen und vor den Augen der türkischen Bevölkerung zum Freiwild zu erklären. Die Behauptungen gegen meine Person, die sie wie Blei in die Gesellschaft gießen, hat eine Wahrnehmung hervorgerufen, als ob ich das Türkentum demütige, beleidige, schmähe. Jedes Mal, wenn ich auf die Straße ging, haben die möglichen Gedanken der Anderen über mich mein Selbstbewusstsein zerfressen. Eine psychische Folter…“ lauteten seine Worte.

Gedanken kann man nicht mit Kugeln (Pulver) zum Schweigen bringen. Hrant Dink hatte immer wieder betont, dass die Türkei kein dunkler Ort sei. Er war der festen Überzeugung, dass das Ziel der Menschen, die Türkei in ein Paradies zu verwandeln und alle Menschen in Frieden miteinander leben zu lassen, mehr als nur eine utopische Vision war. Den Menschen dieses Landes hat er unaufhörlich ihre Geschichte erzählt und Körner für eine gewaltfreie Geographie in alle Himmelsrichtungen verstreut.

Um auf die ersten vier Strophen zurückzukommen.
Warum werden über diesen Fall nächtliche Schatten geworfen?
Warum weiß keiner etwas über die Hintermänner?
Hat die Justiz und die Polizei bewusst Pulver und Blei in diesen Fall geschossen?

Schauen wir uns den Meuchelmord genauer an, können wir den tiefen/parallelen Staat erkennen!
Der damalige Leiter der nachrichtendienstlichen Abteilung der Polizei Ramazan Akyürek wird vom Angeklagten Erhan Tuncel beschuldigt, der Auftraggeber im Mordfall des armenischen Journalisten Hrant Dink 2007 gewesen zu sein! 17 Hinweise wurden nicht verwertet!
Der für diesen Fall zuständige Staatsanwalt Muammer Akkas konnte die Nebelgardinen vor dem Mord nicht auflösen. Ein heimlicher Zeuge sagte aus, dass die JITEM (Geheimdienst und Terrorabwehr der Gendarmerie) seit 2003 Hrant Dink verfolge.
Der Zeuge: „Bevor der Attentäter Ogün Samast nach Istanbul kam, kam ein Unteroffizier der JITEM nach Istanbul. Dieser hat für seinen Unterhalt gesorgt und vor der Agos Redaktion Erkundungen unternommen. Nach der Tat sollte er nach Aserbaidschan geflogen werden. Die Tatwaffe wurde mit einer anderen ausgetauscht. Die wegen des Ergenekon-Prozesses inhaftierten Veli Kücük, Ali Öz und Dursun Ali Karaduman spielen auch eine Rolle in diesem Fall.“

Ramazan Akyürek und Muammer Akkas stehen der Gülen-Bewegung nahe!

Was bedeutet dieser Fall für die Türkei?
Nach 5 Jahren entschied die 14. Große Strafkammer in Istanbul, dass keine geheime Organisation hinter dem Mord an Hrant Dink stecke. Ein Minister meinte dazu: „Dieses Urteil zeigt uns nicht, dass es keine Organisation gibt, sondern im Gegenteil wie groß diese Organisation ist.“
Der Staatsanwalt Muammer Akkas, der aufgrund ihrer Verantwortung gegen keinen Beamten einen Schritt getan hat, sagte nach seiner Versetzung nach Tekirdag: „Gerade als ich mit der Operation anfangen wollte, wurde ich versetzt.“ Seit drei Jahren hat er in diesem Fall keinen Fortschritt geleistet, aber hoffte bei der Versetzung wegen seiner Position im Kampf zwischen der Regierung und der Gülen-Bewegung, auf Unterstützung der öffentlichen Meinung.

Für den Schutz der Beamten hat der Staatsanwalt die Ermittlungen nicht fortgesetzt und nun erwartet er Gerechtigkeit!
Die vorliegenden Dokumente hätten für eine Verurteilung der verdächtigten Polizisten, Agenten, Bürokraten, Gendarmerie-Mitglieder und einigen Geheimdienstlern gereicht!
Der Premierminister Erdogan hat versprochen, dass dieser Fall nicht in den Akten verschwinden wird.
Auf Wunsch der Familie Dink hat er dem Untersuchungsausschuss des Ministerpräsidiums die Aufgabe erteilt, den Fall zu untersuchen. Der fertiggestellte Bericht wurde am 2. Dezember 2008 von Erdogan unterschrieben. In dem Bericht wurden Ramazan Akyürek und Ali Fuat Yilmazer für verantwortlich erklärt! Es hätten Ermittlungen und vermeintliche Verurteilungen gegen sie und die in Schutz genommenen Beamten laufen können! Doch der Untersuchungsausschuss des Innenministeriums hat alles daran gesetzt, um die Unterschrift des Premiers zu widerlegen.
Der Bericht wurde wahrscheinlich durch gewisse Bürokraten im Innenministerium ‚entschärft‘.

Es ist nun an der Zeit, sich an die Unterschrift des Premierministers Erdogan zu erinnern.
Der Mord an Dink ist nicht nur mit diesem Bericht eingegrenzt. Die Inspekteure Mehmet Akin und Aysegül Genc, die den Bericht geschrieben haben, wurden über den Chef des Untersuchungsausschusses vom damaligen Leiter der nachrichtendienstlichen Abteilung der Polizei Ramazan Akyürek bedroht! Wir wissen nun, dass die Handlanger in Justiz und Innenministerium des ‚parallelen Staates‘ diesen Fall verschleiert haben!
Nun muss der Premierminister Erdogan auf seine Unterschrift hinweisen, auch wenn der Fall noch nicht verjährt ist.
Dann wird der ‚parallele Staat‘ mit seinen Staatsanwälten, Polizisten, Spionen auffliegen!

Der alte ‚tiefe Staat‘ konnte hemmungslos Auftragskiller für ihre Missionen beauftragen, doch der neue ‚tiefe Staat‘ braucht auch solche. Aber ich nehme an, dass diese Männer aufgrund ihrer Erziehung und Umgebung es schwer haben werden, Auftragskiller zu finden oder aus ihren Reihen welche zu ‚erzeugen‘. Wie weit sie gegangen sind, gehen werden und imstande sind, werden wir noch sehen…



Turgay Adalet

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