529 Todesurteile : Menschlichkeit 0




Die Judikative in Ägypten war zu keiner Zeit unabhängig von der Exekutive und die in kurzer Zeit gefallenen Todesurteile gegen die 529 Muslimbrüder, die gegen den Militärputsch von General Sisi demonstrierten und für den Tod eines Polizisten verantwortlich sein sollen, sind weitere Belege dafür. 
Ägyptische und internationale Menschenrechtler bezeichnen dies als ein Skandalurteil.
Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig, denn der Oberste Mufti wird die endgültige Entscheidung fällen. Wenn man bedenkt, dass zwischen 1981 und 2000 von den 709 zum Tode verurteilten Menschen 248 hingerichtet wurden, wird dieser Prozess selbst bei der Abänderung der Berufung einen weiteren Schatten auf die ägyptische Justiz werfen. Die Uno prangert die Todesurteile zwar an, aber offensichtlich können keine Maßnahmen getroffen werden, um den Urteilen entgegenzuwirken.
So organisieren sich Menschenrechtsaktivisten vereinzelt auf den Straßen, aber mehrheitlich über Twitter und Facebook und bestehen auf die Revision der Urteile.

Wie schaut es mit dem türkischen Volk aus, das ihre Stimme in solchen Fällen am höchsten erhebt?
Bis auf einige wenige Oppositionelle, ist es tragisch mit anzusehen, dass bestimmte Kreise die Todesurteile mit Freude empfangen haben, da sie die Muslimbrüder als Terroristen betrachten.
Unter ihnen gibt es auch Radikale, die sich nur deshalb für die Urteile aussprechen, da die AKP-Sympathisanten dagegen sind. Wenn in Ägypten Menschen erhängt werden, erhängen diese Menschen die Menschlichkeit in der Türkei. Außerdem ziehen sie Parallelen zu den Gläubigen, die in den ersten Jahren der Türkischen Republik erhängt wurden und sehen diese bis heute noch als gerechtfertigt an.

Diese Menschen schreien nach Umweltschutz, nach Bäumen, nach Demokratie und Menschenrechten. Für 17 Bäume haben sie beim Gezi-Aufstand die Straßen in Brand gesteckt.
Aus Liebe zu den Bäumen haben sich die regierungskritischen Medien (Dogan) erhoben.
Für die Nachhilfeschulen hat die Gülen-Gemeinde über Twitter und in ihren Medienorganen massive Propaganda betrieben. Die berühmten Menschen haben immense Summen ausgegeben, um die türkische Regierung in den westlichen Medien zu diffamieren. Für die Menschen, die ihrer Ideologie nahestanden und gestorben sind, erwachte in den Journalisten, den Schauspielern, den Unternehmern die Menschlichkeit. Aber den 529 Menschen schenken nur die wenigen ihre Aufmerksamkeit. Das nun aufgehobene Twitter-Verbot war diktatorisch, aber die Todesurteile legitim?
Das wird jetzt eine provokative Aussage, aber vielleicht erheben sich die Stummen dann:
Liebe Gezi-Leute, es geht nicht um die Menschen. Der Strang könnte den Galgen beschädigen!

Von den Herzlosen unter ihnen kann man genauso wenig eine Reaktion erwarten wie von Sisi,
dass er seine Hand mit dem Rabia-Symbol gen Himmel streckt.

Wenn der Rest der Welt wieder einmal zuschaut, wird das türkische Volk mit ihrem Einfühlungsvermögen die Stimme der unterdrückten Menschen gegen die Tyrannei sein.
Nach der Urteilsverkündung waren statt Tränen, Lächeln in ihren Gesichtern.
Wenn sie keine Angst vor dem Tod haben und ihre Hoffnungen nicht an dieses Leben gebunden haben, wieso sollten wir für sie keinen Einsatz zeigen?
Selbst wenn die Weltöffentlichkeit bis zum 28. April schweigsam bleiben sollte, müssen wir unsere Stimmen bis dahin immer mehr erheben bis uns auch die letzten Tauben hören.
Es ist ein Kampf gegen das Putsch-Regime, gegen die Unterdrückung, doch viel mehr ist es ein Kampf gegen das eigene Gewissen. Mit diesem Gewissen müssen wir auch das Gewissen der anderen Menschen berühren, damit sie sich von ihrer Stelle rühren!
Egal welche Religion, welche Sprache, welche Ideologie diese Menschen besitzen, kein Mensch kann den Tod von 529 Menschen mit seinem Gewissen vereinbaren.
Die vor ihnen gestorbenen Menschen haben wir in unsere Herzen eingraviert.
Wir können nur hoffen, dass diesmal nicht die vollstreckten Todesurteile, sondern die aufsteigenden Stimmen der Menschlichkeit, die den Tod dieser Menschen aufhalten könnten, in unsere Herzen eingraviert werden.





Mit der Vollstreckung der Todesurteile werden die Vollstrecker und die Stummen nicht nur die 529 Menschen, sondern auch die Menschlichkeit begraben!


Turgay Adalet

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