Ihsanoglu oder Islamoglu?



Die 'großen' Oppositionsparteien CHP und MHP haben endlich einen gemeinsamen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im August gefunden:

Ekmeleddin Ihsanoglu, seit 2005 Generalsekretär der Organisation der Islamischen Konferenz und davor Direktor des Forschungszentrums für Islamische Geschichte, Kunst und Kultur.

Er sollte in jeder Hinsicht die türkische Gesellschaft vertreten.
Schauen wir uns doch mal sein Profil an:

1. Werden die Kemalisten bzw. die Wähler der CHP wirklich einen wählen, der ihre Ideologie nicht teilt? Es gibt jetzt schon regierungskritische Journalisten und Wähler, die sich über seine Kandidatur wundern. Die Radikalsten unter den Wählern rufen einige CHP-Politiker zum Rücktritt auf. Manche Schauspieler fühlen sich gezwungen, ihn zu wählen, nur um Erdogan nicht im Präsidentenamt sehen zu müssen.
"Das ist politischer Selbstmord" sagen die Regierungskritiker.

2. Ihsanoglu kritisierte den inhaftierten Mursi in Ägypten und sah den Militärputsch als gerechtfertigt an.

3. Er schlug eine Kooperation mit dem Mörder Assad vor.
Was hat er sich darunter vorgestellt?

4. Was hat er für die islamische Welt beigetragen

Hat er die Massaker gegen Muslime im Namen der Organisation kritisieren können?

5. So wie Ban Ki-moon ist er nur ein Beamter, der in der Türkei von Regierungskritikern wie Cem Boyner, Hüsamettin Özkan und dem Medienbaron Aydin Dogan unterstützt wird!
Seit 2012 möchte Aydin Dogan ihn als Präsidenten sehen!

6. Genauso wie das Gülen-Netzwerk(!) spricht er sich für den interreligiösen Dialog aus und hat sich in der Zeit, wo Abdulkadir Molla in Bangladesch erhängt werden sollte, mit Papst Franziskus getroffen und das Treffen als "historisch" bezeichnet. Natürlich dürfen sich Vertreter aller Religionen austauschen, aber niemals die eigenen Werte im Namen des Austausches als zweitrangig einstufen!
Der zweite Teil der Glaubensbekenntnis "...und Muhammed ist sein Gesandter" wurde von Gülen für nicht notwendig erklärt.

Und eine Frage, dessen Antwort jeder weiß:
Wieso hat sich die Opposition nicht getraut, einen Atatürk-Anhänger zum Kandidaten zu ernennen?

In Ankara haben zwar die CHP-Anhänger fast zum Sieg des ehemaligen Bozkurts (MHP) Mansur Yavas beigetragen, der ihre Vorbilder beleidigt hatte, aber Ihsanoglu polarisiert jetzt schon die Regierungskritiker.
Und solche wollen ein Land regieren?

Wer weiß, wie sie mit so einer Einstellung zur extremen Polarisierung der Gesellschaft beitragen würden!

Die Opposition wollte sich auf einen Kandidaten einigen, aber nicht mal ihre Wähler können sich auf den richtigen Namen einigen:
Ihsanoglu oder Islamoglu? Es herrscht große Verwirrung.

Ihsanoglu über Erdogan in einem Interview:
"Er ist der größte Führer, den der Nahe Osten in den letzten zwanzig Jahren gesehen hat."

Wir können jetzt schon Recep Tayyip Erdogan zum Sieg gratulieren!



Turgay Adalet

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