Gegen den islamischen Religionsunterricht(!)


Sie erwarten Toleranz, aber tolerieren nicht die Andersdenkenden.
Die Linken in der Türkei erinnern mich an einige meiner ehemaligen Kommilitonen aus der Studienzeit:
Nach außen hin immer weltoffen, aber nur weil ich während des Gezi-Aufstands offen meine Unterstützung gegenüber Erdogan bekundet hatte, haben sie aufgehört, mich zu begrüßen. :)

Heute demonstrierten wieder einmal die Linken und einige alevitische Verbände für ein "laizistisches" Bildungssystem ohne Religionsunterricht.
Dafür schickten sie ihre Kinder auch nicht zur Schule und drückten ihnen Plakate in die Hände, dessen Inhalte sie entweder gar nicht verstehen oder verinnerlicht haben. 
"Wir möchten keine Imame, sondern Wissenschaftler", ach gäbe es doch unter den kemalistischen Intellektuellen Personen, die wirklich objektiv sind. 

Das letzte Foto mit der Kette zeigt uns schon ihre innere Welt:
Nur Gleichgesinnte haben Mitspracherecht, alles andere gehört an die Kette und für immer aus der Gesellschaft verbannt! 
Was ist mit den Teenagern, die "zerstöre die Finsternis und trete für die Zukunft ein" sagen? Es ist evident, dass mit der Finsternis der Islam gemeint ist.
Euer Gedankengut verkörpert die Finsternis, nicht der Islam, da ihr die praktizierenden Muslime und die Imame als eine Gefahr einstuft und am besten in Ketten legen möchtet.

Die internationale Nachrichtenagentur Reuters begrüßt solche Aktionen, die bei ihnen mehr Beachtung finden als die Morde in den Vereinigten Staaten:
"Die türkische Polizei hat die Masse mit Pfefferspray aufgelöst, die gegen islamischen Religionsunterricht protestiert haben. Die Bildung ist in einem NATO-Mitglied wie der Türkei zu einem Schlachtfeld zwischen der Regierung und den Säkularen geworden."

Benehmen sich nun diese Eltern verantwortungsvoll, nur weil sie für eine säkulare Bildung plädieren?
Können sie die von ihnen gewünschte Bildung näher definieren?
Ihr Vorwurf liegt darin, dass nicht der Islam, sondern eine einzige Konfession als richtig gelehrt werde.
Wofür sind dann die Cem-Häuser als Kulturzentren zuständig? Dann sollen sie auch dort ihren Kindern die Religion beibringen und wenn sie es als einen Kampf zwischen Sunniten und Aleviten ansehen, dann können sie nicht immer nur die eine Seite beschuldigen. Denn seit Jahren wird das Massaker von Sivas als politisches Instrument gegen den Islam missbraucht.
Diese Aussage wird sicherlich nicht auf Akzeptanz stoßen, aber anhand ihrer Denkweise kann man Parallelen zu den Zionisten ziehen, die "mit Hilfe von Auschwitz - Israels ultimativer Trumpfkarte bei seinen Beziehungen zu einer Welt, die immer wieder aufs Neue als antisemitisch definiert wurde - gegen jedwede Kritik gegen Israel immunisierte und einen quasi sakrosankten Status genehmigte." (israelische Historikerin Idith Zertal) 

Damit verschließen sie sich einem kritischen, rationalen Dialog mit ihrer Umwelt.
Wenn ihrer Ansicht nach der Islam Kinder zu Terroristen mache, was ist dann mit der marxistisch-leninistischen Untergrundorganisation DHKP-C, die Menschen zu Selbstmordattentätern ausbildet? Gegen diese Terroristen gegen sie aber nicht auf die Straßen! 

Turgay Adalet

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