Hinkt der Vergleich Taksim-Frankfurt?


Hinkt der Vergleich Taksim-Frankfurt wirklich?

Nach den gestrigen Ausschreitungen in Frankfurt haben wir alle die Reaktion der deutschen Medien und ihren (ideologischen) Kollegen in der Türkei beobachtet.
In Deutschland hat man sich mehrheitlich gegen die Gewalt der Demonstranten ausgesprochen und demgemäß auch berichtet.
Erst heute berichten die regierungskritischen Medien in der Türkei "nüchtern" über die gestrigen Ereignisse und Gewaltexzesse, die sie beim Gezi-Aufstand völlig ausgeblendet hatten und die türkische Polizei als "Erdogans Henker" bezeichneten, nur weil sie linksextreme Gruppen wie die DHKP-C in ihre Schranken wiesen. Wer während der Straßenschlachten nicht zu Hause saß, sondern bewusst wie in der Ukraine gegen den Staat rebellierte, der war vor Gewalt nicht geschützt.

Deshalb haben wir und auch andere Seiten zu Recht die Berichterstattung in beiden Fällen miteinander verglichen, um aufzuzeigen, wie verlogen und heuchlerisch sie mit diesen umgehen.
Wie zu erwarten, entgegnete man uns mit folgenden Fragen:
Hat die deutsche Polizei Demonstranten getötet?
Hat Merkel den Befehl erteilt, gegen die Demonstranten mit Gewalt vorzugehen?

Jetzt möchte ich diesen Heuchlern einige Fragen stellen, auch wenn ich keine Hoffnung hege, dass sie es verstehen werden:

Haben gewaltbereite Gruppen die Straßen terrorisiert? Ja!
Hat die Polizei darauf auch mit Gewalt reagiert? Ja!
Kamen auch unschuldige Menschen zu Schaden? Ja!
Mussten Läden geschlossen werden? Ja! 
Wurde (zeitweise) der Verkehr lahmgelegt? Ja!
Wurden Polizeiautos beschädigt? Ja!
Wurden Polizisten verletzt? Ja!

Und jetzt die Schlüsselfragen:
Müssen Menschen sterben, damit man die Polizeigewalt nicht relativieren kann? 
Ist wie in Adana ein Polizist in Frankfurt gestorben?
http://m.hurriyet.com.tr/Haber?id=23443652
Haben sich einige Regierungsgegner über seinen Tod gefreut? Ja!
Doch in keinem Kommentar unserer deutschen Freunde habe ich einen Hass gegen die Polizei gelesen!

Wenn wir schon Vergleiche ziehen, sollte man sich auch mal die Unterschiede zwischen den Demonstranten in Deutschland und in der Türkei vor Augen halten. Nur dann können wir die Reaktion der türkischen Polizei nachvollziehen:

1. Unsere "Demonstranten" gehen nicht nur mit Molotowcocktails, sondern auch mit Waffen auf die Straßen.
2. Unsere "Demonstranten" schmeißen mit Molotowcocktails auf Einsatzwagen, in denen noch Polizisten sitzen - versuchter Mord!
http://youtu.be/kMG2W494YU4
3. Unsere "Demonstranten" benutzen Kinder als Schutzschilder und im Nachhinein heißt es, dass die Polizei am Tod verantwortlich gewesen sei.
http://i.tmgrup.com.tr/tk/2014/05/22/1400777234129.jpg
4. Unsere "Demonstranten" sind alles in allem viel gewalttätiger und hemmungsloser.

Trotzdem erwarten sie, dass die Polizei rein gar nichts gegen diese Terroristen und Extremisten unternimmt.

Was sagte der SPD-Politiker Erik DONNER?
"Wenn der Schlagstock heute bei der Polizei etwas lockerer sitzt, habe ich vollstes Verständnis dafür."

Donnerwetter!
Der Erik Donner hätte sich mal die Bilder vom Gezi-Aufstand oder die Ausschreitungen in Istanbul von letzter Woche anschauen sollen.
Wie denn auch?
Darüber berichten die türkischen Journalisten und Politiker in Deutschland nicht, nur über das, was die Polizei macht.
Die Gewalt der Demonstranten wird aber immer schön verheimlicht oder gerechtfertigt.

Turgay Adalet

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