Exkurs - Was geschah vor 100 Jahren und was passiert heute im Nahen Osten?




Exkurs - Was geschah vor ca. 100 Jahren und was passiert heute im Nahen Osten?

Der Nahe Osten sowie das arabische Siedlungsgebiet verfügt heute über 12 unterschiedliche Staaten. Der Großteil dieser Staaten existiert gerade mal beinahe zu 100 Jahren. Insbesondere mit dem Einbruch des Ersten Weltkriegs und dem Sturz des Osmanischen Reiches erhielten diese Staaten ihre Unabhängigkeit und existieren bis heute. Alle diese Staaten sind arabisch. Nicht wie einst versprochen sind sie unter einem arabischen Königreich verbündet, sondern sind gesplittet und z.T. miteinander verfeindet. Es sind nicht die ethnischen Unterschiede, die sie voneinander trennen, vielmehr geht es um religiöse Ausprägungen. Saudi-Arabien beispielsweise steht unter wahhabitischem Einfluss, Syrien mehrheitlich sunnitischen und der Irak eher schiitischen. Interessanterweise wird Syrien bis heute von einer alawitischen Minderheit regiert und der Irak lange Jahre von einer sunnitischen Minderheit. Selbstverständlich wurde anhand einer Diktatur regiert. In der Vergangenheit hat es niemals ein Irak, ein Syrien, ein Saudi-Arabien, ein Libanon, ein Israel, ein Jordanien gegeben. Deshalb muss man sich noch einmal vor Augen führen, dass diese Staaten das Produkt der imperialistischen Großmächte und ihrer „Teile und Herrsche“ Strategien sind. Dieser Plan wirkt bis heute und ist so raffiniert ausgeklügelt, dass die Wirkung nicht ohne weiteres nachlässt. Selbstverständlich ist die Gründung Israels noch ein zusätzlicher Faktor, den wir heute ausnahmsweise auslassen können. In diesen Gebieten lebten zuvor Türken und Araber gemeinsam unter der Herrschaft der Osmanen über mehrere hundert Jahre zusammen. Aber nicht nur diese beiden Völkergruppen, ebenso lebten Kurden über mehrere hundert Jahre verteilt im Nahen Osten. Doch sie erhielten von den imperialistischen Großmächten keinen eigenen Staat.

Welche Faktoren dazu führten sind zunächst uninteressant, denn es geht wesentlich um den Status-Quo. Somit behielten sich die Großmachte die kurdische Karte in der Hintertasche, um sie bei Bedarf zu zücken. Mitte der 70er entstand der „kurdische Guerilla Widerstand“ unter dem Vorreiter Abdullah Öcalan und seiner heute beinahe überall verbotenen Arbeiterpartei (kurz: PKK). Es ist kein Geheimnis, dass die PKK bis heute von europäischen Staaten finanziell, logistisch und politisch unterstützt wurde. Insbesondere Griechenland beherbergte über längere Jahre Terrorcamps, militärische Equipment aus den Niederlanden und Belgien, sowie logistische Unterstützung aus Frankreich. Paris verfügt über die größte PKK-Zelle in ganz Europa. Auch Syrien war lange Zeit ein Freund der PKK und beheimatete den inhaftierten Führer Abdullah Öcalan fast über ein Jahrzehnt.

Somit kann jeder mit einer kleinen Eigenrecherche sehr schnell feststellen, dass die kurdischen Zellen im ganzen Nahen Osten von ehemals imperialistischen Großmächten am Leben gehalten wurden. Ihnen wurde nie ein eigener Staat zur Verfügung gestellt, aber jegliche Unterstützung für den Unabhängigkeitskampf bereitgestellt. Aktuell - Der syrische Machthaber Baschar al Assad stürzte sein eigenes Land zunächst in die politische, später in die humane Krise. Das Ausmaß ist ein Bürgerkrieg, eine völlig destabilisierte Region, über 200.000 tote Zivilisten und ca. 9 Millionen Flüchtlinge. Minderheiten wie Kurden sowie die sunnitische Mehrheit im Lande wurden systematisch über längere Jahre hinweg unterdrückt und umgebracht. Als diese sich Wort meldeten und friedlich Demonstrierten begann die Situation zu eskalieren und Assad richtete die Waffen gegen das Volk. Aus dieser destabilisierten Lage entstand ein Nährboden für radikale Gruppierungen wie der IS - die heute ein ernst zu zunehmendes Problem darstellen - somit kann der Ursprung für den ganzen Übel auf die Aktionen des syrischen Regimes zurückgeführt werden.

Was die Stellung der Kurden angeht. Ein autonomes Kurdengebiet im Nordirak gilt heute als Verbündeter der Türkei - genannt werden die Kämpfer Peschmerga. Sie stellen keine Bedrohung für die Türkei dar. Auch diese Gruppe von Kurden kam nach der US-Invasion in den Irak hervor und gelang an Macht und Anerkennung. Ähnliche Ziele verfolgt die Tochterorganisation der PKK in Syrien; die PYD und die YPG sind daran interessiert ein kurdisch autonomes Gebiet im Norden von Syrien zu etablieren. Würden nur noch zwei wichtige von Kurden besiedelte Regionen fehlen, um ein vereinigtes Kurdistan zu gründen. Ein Teil im Westiran und der südöstliche Teil der Türkei.

Genau das ist der Grund, warum der Westen unter europäischer Führung sich heute auf die Seite der PKK stellt. Sie nennen die PKK Freiheitskämpfer, weil sie aus Eigeninteresse den IS bekämpfen. Die PKK und Ihre Schwesterorganisationen würden sich nicht in einen Kampf mit der IS einlassen, wenn sie keine Bedrohung für sie darstellen würde. Aber die westliche Medienlandschaft und ihre korrupten Politiker argumentieren mit dem Vorwand, dass die PKK ein wichtiger Bestandteil im bewaffneten Krieg gegen die IS sei. In Wahrheit aber werden die Kurden aus der Hintertasche gezückt und die Kurdenkarte kommt auf den Tisch. Die Destabilisierung des Nahen Osten soll überwiegend anhand der Kurden erfolgen. Die vor 100 Jahren zurechtgeformten Strukturen sind zerfallen und haben an Wirkung verloren. Siehe arabischer Frühling.

Der einzige voll funktionstüchtige Staat in dieser Region neben dem Iran, ist die Türkei. Man könnte behaupten, dass die imperialistischen Großmächte bei Ihren Plänen für die nächsten Hundert Jahre eine Sache nicht mit einkalkulieren konnten. Sie beabsichtigten, dass die Türkei dem Nahen Osten ihren Rücken wendet und nicht hinsieht. Sie sollte an der Tür von Europa um Anerkennung betteln wie ein treuer Hund. Doch hat eine herausragende Generation von Denkern und Dichtern, von Gelehrten und Politikern in der Türkei den osmanischen Geist am Leben gehalten. Die Ideologie eine Türkei zu gestalten, die Freund und Helfer, Bruder und Vater in Not ist, war sicherlich nicht vorstellbar. Der größte Repräsentant dieser Ideologie heute ist Recep Tayyip Erdogan.

Die Null-Problem Strategie wurde in letzter Zeit oft kritisiert und als ein Misserfolg dargestellt, jedoch wird vorenthalten, dass gerade deshalb der Nahe Osten in einen Hexenkessel verwandelt wurde. Es soll und darf kein Bündnis von Muslimen im Nahen Osten geben. Ansonsten könnte der Westen nicht so einfach an die so wichtigen Bodenschätze herankommen. Um diese Null-Problem Strategie und somit der Zuwendung der Türkei an seine Nachbarstaaten im Nahen Osten zu verhindern, arbeiten heute alle westlichen Staaten Hand in Hand.

Die PKK stellt eine Bedrohung für die Türkei dar, die IS auch. Beide sollen bekämpft werden und eine Schutzzone soll im Norden von Syrien erstellt werden. Somit könnte die Türkei zwei Fliegen mit einer Klatsche erschlagen. Ein von radikalen Kurden befreites Nordsyrien, die Eliminierung von Terrorgruppen wie der IS und logistisch bedeutungsvolle Zone für den Kampf der FSA (Frei Syrische Armee) gegen Assad.

Und genau aus diesem Grund reden die Medien von Kurden wenn sie über die PKK schreiben. Zum einen wollen sie den Lesern das Gefühl geben, dass die Türkei eine ganze Bevölkerungsgruppe bekämpft und zum anderen soll der Eindruck von Unterdrückung vermittelt werden. Internationale Kritik soll den türkischen Schachzug verhindern. Dass die PKK seit über 30 Jahren Angst und Schrecken verbreitet, dass Assad über 200 mal mehr Menschen umgebracht hat als der IS - das soll keiner wissen.
Wenn es hier einen Verursacher gibt, ist es zunächst Bashar als Assad und der Westen selbst. Der Schuldige ist der blöde Muslim, der immer noch nicht seine Augen öffnet.


Cihad EBRAR - 28.07.2015

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