"Die PKK kämpft für unsere Rechte"



Beim gestrigen Bombenanschlag in der östlichen Provinz Ağrı wurden zwei Militärpolizisten getötet und 24 Soldaten verletzt, unter ihnen vier Schwerverletzte.

Wenn man die Jubelschreie der PKK-Anhänger in den sozialen Netzwerken liest, hören sie sich wie jüdische Extremisten an, die sich über den Tod von muslimischen Kindern freuen. 
Das Tragische an der Sache ist, dass die getöteten Militärpolizisten auch Kurden waren. Der eine aus Adıyaman, der andere aus Siirt. Und an ihrer Beerdigung hat kein einziger HDP-Politiker teilgenommen. Wenn sie schon die Kurden nicht vertreten, teilen sie auch nicht ihre Trauer?
Unter anderem deshalb widert es jeden vernünftigen Menschen an, wenn sie einigen unwissenden Menschen erklären, dass die PKK für die Rechte der Kurden kämpfe. Manche treiben es sogar so weit, dass sie von der Rettung der Menschheit sprechen. Seit über 30 Jahren tötet die PKK auch Zivilisten, davor gab es keine Terrororganisation, die sie bekämpfen musste. Jetzt auf einmal werden sie zu Helden der ganzen Menschheit stilisiert. 

Veysel Duran, der Cousin des getöteten Medet Mat, erklärte nach dem Anschlag:
"Würde die PKK uns vertreten, hätte sie unser Leben nicht genommen. Blutige Hände können nicht unsere Vertreter sein."

Mit diesen Worten erklärte er die Verbundenheit zur Türkei, seiner Heimat:
"Wir sind Türken, weil wir auch für die Armee unter der türkischen Flagge gedient haben. Wir sind auch Kurden und sind stolz darauf, aber gleichzeitig ist es uns eine Ehre, Türken zu sein."

Sicherlich wird er wegen seiner kritischen Worte gegen die PKK als Verräter abgestempelt, aber wenigstens nicht als Terrorsympathisant.

"Die PKK kämpft für unsere Rechte"
Auch wenn dies unter jeder Meldung mehrmals geschrieben wird, ist diese Aussage weit entfernt von der Realität - mehr als absurd, wenn man die Entschlossenheit und den Willen der Türkei bezüglich des Friedensprozesses und die Morde der PKK an der kurdischen Zivilbevölkerung berücksichtigt.
Es ist ein großer Fehler, anzunehmen, dass die Kurden eine homogene Gruppe bilden und nur einer Ideologie (oder auch keiner) folgen. Die Heterogenität unter den Kurden ist genauso wie bei den Türken, die unterschiedliche politische Vorbilder haben.

In der Vergangenheit haben wir oft gelesen und gehört, dass die PKK-Anhänger die Geschäfte derer ganz oder teilweise zerstörten, die nicht den Anweisungen der PKK befolgten. Doch der immaterielle Schaden ist weitaus größer, da auch die Leben der PKK-kritischen Kurden ständig in Gefahr sind. Die Rechtfertigung der PKK-Sympathisanten ist stupide und inhuman noch dazu: „Das sind alles Islamisten, die sich assimiliert haben.“
Seit wann wird die emotionale Verbundenheit zum (türkischen) Staat als Assimilation bezeichnet? Ist es Verrat, wenn man als Soldat gegen die Terrororganisation PKK kämpft? Die PKK entführt und verführt Kinder in die Berge, aber wenn ein kurdischer Junge davon träumt, ein Soldat unter der türkischen Flagge zu werden, hat er dann den Tod verdient?
Nicht nur einzelne Personen oder Geschäftsmänner stehen unter der Dauerbeobachtung der PKK, sondern auch andere kurdische Verbände, die sich friedlich für die Interessen der Kurden engagieren. Solange man ihnen einen fingierten IS-Stempel aufdrückt, möchten die westlichen Medien nichts davon wissen und erwähnen.
Und was ist mit den Todesvollstreckungen innerhalb der PKK?

Die staatlichen Repressionen von gestern gegen Kurden werden in der heutigen Türkei nicht praktiziert und deshalb hat die PKK keinen Legitimationsanspruch. Auch in den vergangenen 35 Jahren nicht, weil sie mit Gewalt Rechte einforderten, die sie im Endeffekt nicht dadurch bekommen haben. Unter einer anderen Partei, die die Pluralität der Gesellschaft nicht akzeptiert, wären die freiheitlich-demokratischen Schritte niemals realisiert worden.
Mit einer anderen Organisation, die die Mehrheit der Kurden vertritt, wäre eine gewaltfreie Kommunikation und Lösung möglich und nachhaltig gewesen.
Es war von Anfang an klar, dass ein Dialog nicht für immer aufrechterhalten werden konnte, solange die Waffe der PKK auf dem Tisch lag.

Tötete die PKK Lehrer aus Protest am Bildungssystem?
Tötete die PKK Ärzte aus Protest am Gesundheitssystem?
Tötete die PKK Anwälte aus Protest am Justizsystem?
Tötete die PKK Dorfbewohner für mehr Rechte der Bauern?
Tötete die PKK (33) unbewaffnete Soldaten, damit die Kriegsdienstverweigerung eingeführt wird?

In 35 Jahren hat die Terrororganisation PKK mehr als 15.000 Zivilisten getötet, unter ihnen mehrheitlich Kurden, die der Türkei nicht den Rücken kehrten und keine separatistischen Ziele verfolgten.
Trotzdem war die Türkei bereit, einen Frieden mit dem Erzfeind zu schließen, aber sie haben auf diese vielleicht einmalige Chance wieder mit Terror geantwortet. Kein Land der Welt hätte sich mit so einer Terrororganisation an den Tisch gesetzt.

„Nach diesem Bombenanschlag ist die Türkei einem Bürgerkrieg näher gerückt“, schreibt heute die britische Tageszeitung The Times.

Von einem Bürgerkrieg wie in Syrien können diese Journalisten nur träumen, denn in der Türkei unterdrückt weder die Minderheit die Mehrheit noch die Mehrheit die Minderheit. Kann man heute noch von Majorität und Minorität sprechen, wenn Familien aus verschiedenen Kulturen zusammengesetzt sind?
Die Türkei kann solche Hochzeiten feiern, aber gewisse Staaten keinen Bürgerkrieg in der Türkei.


Turgay Adalet - 03.08.2015

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