Debatte um Burka-Verbot



Das Burka-Verbot – ein Thema, das seit Jahren immer wieder von Politikern aufgekocht, von gewissen Medien befeuert und von der Gesellschaft mehrheitlich unterstützt wird. Über wen sie reden? Na, über Menschen.
Sie geben an, ihnen „ihre“ Freiheit schenken zu wollen, aber merken nicht bzw. möchten nicht wissen, dass sie mit solchen Verboten ihre Freiheiten einschränken.
Was bedeutet denn Freiheit? Die Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft? Sind Burka-Trägerinnen dann besser integriert, wenn sie die Burka ablegen?
Jeder Mensch definiert seine eigene Freiheit und diese kann nicht vom Staat und schon gar nicht von anderen Menschen vorgeschrieben werden.
Dann verweisen bestimmte Islamfeinde auf den Koran und sagen, dass die Burka nicht vorgeschrieben sei. Das ist natürlich ein anderes Streitthema, aber sind es nicht gerade diejenigen, die den Koran und die Verse strikt ablehnen? Wenn es aber um „Freiheiten“ geht, beziehen sie sich auf den Koran. Das ist schon irreführend genug und zeigt uns, dass es ihnen nicht um die Freiheit der Menschen geht, sondern um den Islam.
Ich bin aber auch über die Reaktionen in den sozialen Netzwerken positiv überrascht. Denn es gibt nicht wenige, die sagen „Ich halte zwar nicht viel von der Burka, aber jedes Verbot führt zu noch mehr Isolation dieser Menschen“.
Das ist es! Wenn sie der festen Überzeugung sind, dass sie Burka oder Burkini tragen möchten, dann dürfen sie das auch. Was erwartet ihr von diesen Frauen? Dass sie in ihrer eigenen Welt in vier Wänden leben? Tun sie das, werden sie wieder kritisiert, weil sie sich von der Außenwelt abschotten. Nein, sie schotten sich nicht ab. Sie werden ausgegrenzt.
Allein die Vergleiche der Burka-Trägerinnen mit Müllbeuteln und andere diffamierende Karikaturen/Bilder verletzen sie in ihrer Würde. Der erste Artikel im deutschen Grundgesetz lehrt uns das Gegenteil. Können sie sich dann in diesem Land willkommen fühlen? Sollen sie in ihr Heimatland auswandern, das vom Westen zerstört wurde und von Terroristen beherrscht wird?
Eine kurze Reise in die Türkei vor 2002 lehrt uns: Wer Andersdenkende aufgrund ihres Aussehens, ihrer Kleidung und Ideologie an Universitäten und in staatlichen Behörden ausgrenzt, der gewinnt diese Menschen nicht und die Identifikation mit dem System geht verloren. Wenn man sich schon so sehr für die Türkei und die Menschenrechte interessiert, dann sollte man diesen Aspekt nicht ignorieren. Damals waren die Medien nicht in dem Maße wie heute auf die Freiheitsrechte in der Türkei fokussiert, schließlich waren die Opfer gläubige Muslime, die das Kopftuch nicht ablegen wollten. Tausende Studentinnen mussten entweder ihr Studium abbrechen oder im Ausland weiterstudieren. Letztere sind heute in der Regierungspartei AKP tätig und sind sehr kompetente und aufgeschlossene Menschen.

Haben die Attentäter von Paris und Brüssel Burka getragen? Nein, sie waren europäisch gekleidet und sind in Europa aufgewachsen. Und wenn sich ein Terrorist unter der Burka versteckt, ist es dann euer Recht, alle Burka-Trägerinnen unter Generalverdacht zu stellen?
Wollt ihr diesen Menschen Freiheit schenken oder ihre Freiheit entreißen?
Geht es euch um Terror oder den Islam?
Wer mit dem Begriff Terror Islam assoziiert, der sollte nicht vergessen, dass die vom Westen propagierte „Demokratie“ im Nahen Osten den Terror verursacht hat. Demokratie in Form von Krieg!
Aber egal, der besorgte Abendländer denkt: die Burka gefährdet die Harmonie in der Gesellschaft, den Frieden in Europa und die Ordnung im System(!)

Turgay Adalet

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